Außenstehend

Ich konnte nicht schlafen. Zu beschließen, mich nicht von Nachrichten zu Nachrichten zu hangeln, Dokumentationen zu verzehren oder mir Wissen, über etwas anzueignen, das mich gerade interessiert, es mit mir selbst auszuhalten ohne Zeitvertreib, bereitet mir Unbehagen.

Nicht wissen, wozu ich lebe. Ich hoffe, dass mein Sohn gern lebt, dann hätte ich wenigstens einen Sinn erfüllt. Ansonsten ist mein Leben so unerheblich als fiele in China ein Sack Reis um. Es ist nicht so, dass ich niemals den Erwartungen anderer gerecht geworden wäre, es ist eher so, dass ich mich selbst darüber verloren habe. Wenn ich nochmal von vorne anfangen könnte, so würde ich es vorziehen, jenseits der sogenannten Zivilisation zu leben.

Für ein Zimmer mit Bett und Dusche und Nahrung würde ich nach Syrien ziehen, um dort beim Wiederaufbau zu helfen. Das Gefühl haben, mich sinnvoll einbringen zu können, auch wenn dort weiterhin Bomben fallen. Die sogenannten westlichen Werte wären Werte, wenn sie nicht nur als Fassade dienten, In Syrien gibt es nur für ein paar Stunden am Tag Strom. Auch die Wasserversorgung ist nicht in allen Gegenden gesichert. Sanktionen erschweren den Wiederaufbau, es geht dort um Lebenserhalt und nicht um Pillepalle wie hier.

Ja, ich kann mich auch hier einbringen, werde ich auch ab August tun. Der Unterschied? Hier ist es ein Einsatz gegen Schwachsinn, der nicht endet und immer blödsinnigere Anforderungen gegenüber Menschen erhebt, während es dort um die Grundlagen geht. Auch eine Sehnsucht danach, von “einfachen” Menschen umgeben zu sein. Einfach in Anführungsstrichen, denn Krieg traumatisiert. Kinder, die Vater oder Mutter oder beide Eltern oder Geschwister verloren haben. Eltern, die Kinder verloren haben. Menschen, deren Heim, deren Existenzgrundlage vernichtet wurde. Stunde Null.

Unsere hiesige Stunde Null kann noch Jahre auf sich warten lassen. Die westlichen Nationen siechen vor sich hin wie ein Mensch – dem unausweichlichen Tode nahe – auf Intensivstation künstlich am Leben erhalten.

Ich bin des Lebens hier schon lange überdrüssig, kein Unterschied zwischen Deutschland und England. Nährt sich daraus mein Gefühl der Sinn- und Bedeutungslosigkeit meines Lebens? Ich fühle mich fremd im Westen, außenstehend. Ich kann mich nicht identifizieren mit der Art und Weise wie wir hier leben.

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out /  Change )

Google photo

You are commenting using your Google account. Log Out /  Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out /  Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out /  Change )

Connecting to %s