Der Kern des Ganzen

Seit ich dieses Blog begonnen habe, rede ich um das herum, was ich zum Ausdruck bringen möchte. Was ist Depression? Kann man damit leben? Eines vorweg, ich bin nicht suizidgefährdet, ich habe depressive Phasen, aus denen ich mich selbst auch wieder herausziehen kann. Was ich beschreibe, ist meine Erfahrung und diese ist nicht völlig auf jeden übertragbar, auch wenn es Gemeinsamkeiten und Überschneidungen gibt.

Es ist eigentlich nicht verwunderlich, dass ich vom Unbehagen vorgestern, in ein depressives gestern gerutscht bin. Zum Abend hin hatte ich mich auch schon wieder gefangen. Ich kann die Frage nicht beantworten, ob Depression nicht ein lang andauernder Zustand ist. In meinem Fall lauert sie im Untergrund. Ich habe es gelernt am tiefsten Punkt auszusteigen. Lebensmüdigkeit ist nicht in jedem Fall verbunden mit dem aktiven Wunsch, dem eigenen Leben ein Ende zu bereiten. Es ist, nicht am Leben zu hängen “Wenn ich morgen früh nicht mehr aufwache, ist es gut. Lass es einfach vorbei sein.” Depression ist am Leben leiden.

So befremdlich es klingen mag, es wundert mich, dass nicht mehr Menschen am Leben leiden oder ist es wie bei mir, sie zeigen es nicht, sie lassen es sich nach außen nicht anmerken? Meine Nutzung des Internets, aber auch des Computers ohne Internet kann man durchaus als suchtartig beschreiben. Selbst negative Nachrichten sind besser als mir selbst ohne Zerstreuung überlassen zu sein. Was kann demnach anderen Süchten zugrunde liegen? Süchte heilen nicht, das weiß jeder, sogar ich. Dennoch hilft mir meine Sucht, nicht ins tiefste Loch zu fallen.

Dementsprechend habe ich gestern wieder das Internet genutzt. Ein paar Nachrichten, eine ausführliche Buchkritik, Vorträge in einem philosophischen Kanal. Schließlich habe ich mir auch noch gesagt, dass ich Geduld haben muss bis August, dann werde ich ehrenamtlich als Beraterin tätig. Warum nicht jetzt schon? Weil ich selbst Beratung dort gesucht habe und daher erst eine Frist von 6 Monaten verstreichen muss, ehe ich darf. Dienst am Leben ist eines der wenigen sinnvollen Dinge im Leben. Depressive sollen das können? Ja, vielleicht sogar besonders gut. Auch einen Garten anzulegen ist Dienst am Leben. Ein Tierheim in der Nähe wäre auch gut. Es liegt zu weit entfernt von meiner Wohnstätte für das Budget, das mir zur Verfügung steht.

Spielt mir Zeit in die Hände?

Ein eindeutiges “Ja”. Man lernt es an der Schule nicht, dass man Fähigkeiten hat, die nicht im Lehrplan vorgesehen sind. Man muss Geld verdienen. Ich habe gutes Geld verdient im IT Bereich und es hat mir auch Spaß gemacht bis wir durch einen Konzern übernommen wurden, der mir zutiefst zuwider ist. Es ist mir nicht möglich für gutes Geld, mich jeden Tag in einen Betrieb zu begeben, dessen Machenschaften und dessen Gebaren mich abstoßen. Dort zu arbeiten hieß, ich unterstütze diesen Konzern. Ich habe meinen Nebenjob als Kassiererin in einer kleinen Lebensmittelfiliale weitaus lieber ausgeübt. Ich konnte einfach Mensch sein. Nennen wir es, ein Mensch, der aus sich heraus ein Händchen für Menschen und Tiere hat. Kann man das überhaupt lernen? Bringt man das nicht einfach mit, wird aber gedrillt zu Ellbogen und ständigem Wettkampf?

Mir liegt nicht sonderlich an Wettkampf. Ich habe gerne Fußball, Volleyball und Tennis gespielt, aber die Freude daran lag mehr im Lernen verschiedener Fähigkeiten und mich darin zu verbessern, als darin zu siegen. Ein Fallrückzieher, bei dem ich auch den Ball gut traf, war ein Jubelmoment, ein Aufschlag im Tennis oder Volleyball, der scharf übers Netz ging ebenso. Lauter kleine Momente, die in sich Freude schenkten, wenn sie gelangen. Ein Spiel hat mir auch dann Spaß gemacht, wenn ich oder wenn wir verloren hatten.

Signifikant ist auch, dass ich gerne gezeichnet und gemalt habe. Als es dann hieß, ich solle oder könne auch etwas beruflich daraus machen, war’s vorbei. Um davon leben zu können, muss das anderen gefallen. Das kann ich nicht. Selbstverständlich weiß ich, dass das ein oder andere Abnehmer gefunden hätte, doch als Existenzgrundlage? Geld damit verdienen zu müssen, hätte mich komplett handlungsunfähig gemacht, gelähmt, blockiert, aus, vorbei.

In wenigen Jahren muss ich nicht mehr arbeiten. Ich kann mit einer kleinen Rente leben und ehrenamtlich anderen durch den Dschungel unserer menschen-/lebensverachtenden “Zivilisation” helfen.

Genug für heute. Der nächste Beitrag wird sich um Selbstwirksamkeit drehen.

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